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Geschrieben von Avvuran am 08.07.2017

Ranzen weg und rein ins Leben (Haller Kreisblatt 08.07.17)



Halle . Almuth Burkhardt-Bader ist Schulleiterin. Und ihre Schützlinge liegen ihr am Herzen. Darum formuliert die Chefin der Haller Gesamtschule es diplomatisch: „In einem bestimmten Alter der Schüler ist Unterricht schwer zu gestalten. Da sind die Jugendlichen nicht ausschließlich auf Schule eingestellt.“ Heißt im Klartext: Achtklässler haben ihren Kopf überall – nur nicht über dem Mathebuch. Und oftmals können sie gar nicht anders. Die Gesamtschule wird darauf im nächsten Schuljahr reagieren: mit dem Projekt »Praxis: Leben«.

Stärken, die im Unterricht verborgen bleiben

108 Achtklässler dürfen dann raus aus dem Trott der 13- bis 14-Jährigen. Zumindest an einem Nachmittag pro Woche. Dann sollen sie praktisch arbeiten, ein Projekt umsetzen – und zwar nicht nur ein paar Wochen, sondern von den Herbstferien bis zum Ende des Schuljahres. „Es ist einfach gut, wenn Jugendliche in diesem Alter mehr praktisch arbeiten“, sagt Almuth Burkhardt-Bader. „Das fördert Stärken zutage, die im Unterricht verborgen bleiben.“

Nun ist es aber nicht möglich, 108 Schüler auf den Bauernhof zu schicken. Es braucht viele Partner – vom Altenheim über die Stadtbücherei bis hin zum Industrieunternehmen. Partner, die den Jugendlichen ermöglichen, eigenverantwortlich ein Projekt umzusetzen. „Sie sollen nicht nur Arbeitsabläufe kennen lernen, sondern etwas zurückgeben“, sagt Almuth Burkhardt-Bader. Das kann die Organisation eines Vorlesenachmittags sein, die Gestaltung eines Veranstaltungsflyers oder aber das Dolmetschen in der Flüchtlingsbetreuung. 70 bis 80 Betriebe will die Gesamtschule als Partner finden, hat ihrerseits einen Flyer aufgelegt und viele Anschreiben rausgeschickt. „Derzeit sind wir in Gesprächen mit Bethel. Das freut uns sehr“, sagt die Schulleiterin. Ihr geht es um Anerkennung für die Schüler: Es ist doch toll, wenn es in den Betrieben erst heißt ’Die Praktikantin’, später ’Unsere Praktikantin’ und irgendwann wird ’Unsere Merle’ gesagt.“

Seit Anfang des Schuljahres arbeitet sie mit Sigrun Gehlen, Silke Rache, Jan-Peter Quest und Franziska Johannsson aus dem Kollegium an der Umsetzung des ambitionierten Projektes. Die Lehrerkonferenz hat es abgesegnet, ebenso die Schulkonferenz – die Elternschaft sei begeistert, heißt es vom Team.

Aber geht bei einem solchen Projekt nicht in unserer Leistungsgesellschaft wertvolle Zeit drauf? „Das Leben ist mehr als nur Leistung. Die Achtklässler werden wichtige Kompetenzen wie Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und Verantwortungsbewusstsein trainieren“, sagt Sigrun Gehlen. Zumal die Schule mit einem Nachmittag pro Woche sehr moderat startet – Wissenschaftler empfehlen für Pubertierende mitunter deutliche radikalere Konzepte (siehe Kasten) . Das Projekt soll vom Unterricht flankiert werden, zudem werden die Schüler nach den Sommerferien in einem Kompetenztraining auf ihren Sprung ins Leben vorbereitet: „Da lernen sie unter anderem, mit Durststrecken umzugehen“, verrät Silke Rache.

Betriebe und Institutionen, die Partner des Projektes werden wollen, können sich unter (0 52 01) 81 26 31-0 oder per Mail an die Adresse wenden. Die Gesamtschule sucht weiterhin Partner aus den verschiedensten Bereichen.

Das Haller Kreisblatt wird die Achtklässler im kommenden Schuljahr auf ihrem Weg begleiten. Um zu erfahren, ob der Sprung in die Praxis mehr Spaß macht als das Mathebuch.